Triathletin Melanie Lüdorf

“Der Ironman wird ein Highlight in meinem Leben”

Interview mit der Triathletin Melanie Lüdorf

“Der Ironman wird ein Highlight in meinem Leben” – Interview mit Melanie Lüdorf

Als eine von nur wenigen deutschen Triathletinnen qualifizierte sich die Wuppertalerin Melanie Lüdorf dieses Jahr für den Ironman in Hawaii. Am 8. Oktober wird sie mit etwa 2000 Athleten/-innen aus ca. 50 Ländern an der legendären Triathlon-Weltmeisterschaft teilnehmen: 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen – und das in tropischem Klima. codecentric unterstützt die Ausnahmeathletin dabei mit einem finanziellen Zuschuss. 

Für Melanie, die als Personal Trainerin bei der Agentur YEAH!SPORT ihr Hobby zum Beruf gemacht hat, ist Triathlon eine Lebenseinstellung. Trotz ihres Trainings-Endspurts nahm sie sich die Zeit, sich mit uns zu treffen und unsere Fragen zu beantworten.

Erstmal Gratulation zur Qualifikation zum Ironman-Wettbewerb auf Hawaii! Wie fühlst du dich jetzt, wenn du an den großen Tag denkst?

Melanie Lüdorf: Vielen Dank! Ich freue mich riesig auf den 8. Oktober. Der Ironman wird ein Highlight in meinem Leben. Ein Traum, den jeder Triathlet träumt, geht für mich in Erfüllung.

Wie wurdest du Triathletin?

Melanie Lüdorf: 2010 entschied ich mit einer Freundin aus einer Sektlaune heraus, den Sparda Cross Triathlon in Wuppertal mitzumachen. Gesagt, getan. Danach beschloss ich, keinen Cross- sondern einen richtigen Triathlon zu machen und meldete mich im Tri Club Wuppertal an. Von da an wurde Triathlon immer mehr zu meiner Leidenschaft. 2012 unterstütze ich dann das Tri-Club-Damen-Team in der NRW-Liga (höchste Liga NRW). Seit 2012 folgten viele Kurz-, olympische und Mitteldistanzen.
2011 schaute ich meinem jetzigen Lebensgefährten und Trainer beim Ironman Frankfurt zu und entschied, auch irgendwann einen Ironman zu machen. Man muss dazu sagen: Zu diesem Zeitpunkt konnte ich gerade mal 5 km am Stück im Schneckentempo laufen.
2013 lief ich dann meinen ersten Marathon in Frankfurt (als Test, ob ich überhaupt einen Marathon überstehe). Den schaffte ich, also meldete ich mich für die erste Langdistanz in Köln im Jahr 2014 an. Dann folgten 2015 die DATEV Challenge Roth, der New York Marathon und dieses Jahr der Ironman Maastricht mit der Qualifikation zur WM. Es war mein erster Versuch, mich zu qualifizieren. Viele Triathleten versuchen es sehr oft oder sogar ein Leben lang.

Was ist dein Erfolgsrezept für eine derart enorme Leistungssteigerung innerhalb nur weniger Jahre?

Melanie Lüdorf: Strukturiertes Training, viel Disziplin und gute Pflege. Ich bin eigentlich nie krank oder verletzt.

Um deine eiserne Disziplin beneiden dich sicher viele. Wie hilfst du in deinem Job als Personal Trainer auch anderen Menschen, mehr Disziplin für ihre eigenen Vorhaben und (Sport-)Projekte aufzubringen?

Melanie Lüdorf: Der Wille, das Ziel zu erreichen, ist das A und O. Man muss sich Immer wieder vor Augen führen, was man erreichen will, und es aussprechen, sowohl beim Trainieren als auch bei der Gewichtsabnahme.

War es, seit du Triathletin bist, immer ein Traum von dir, beim “Original-Ironman” auf Hawaii teilzunehmen?

Melanie Lüdorf: Als ich begann, war es für mich ein nicht erreichbares Ziel. 2014 durfte ich mit meinem Lebensgefährten zum Ironman Hawaii (ich als Zuschauerin, er als Starter). Seither hatten wir gemeinsam den Traum, noch einmal nach Hawaii zur Ironman WM zu fliegen. Wir haben die letzten zwei Jahre sehr hart daran gearbeitet! Natürlich wären wir auch gerne zusammen gestartet. Eine Verletzung seinerseits ließ dies aber dieses Mal nicht zu – man benötigt einen perfekten Tag.

Als Triathletin musst du in deinem Trainingsplan drei Disziplinen jonglieren. Wie schaffst du es, für jede Disziplin – Schwimmen, Radfahren, Laufen – das ideale Trainingspensum zu finden?

Melanie Lüdorf: Das bedarf eines guten Trainingsplans [siehe unten], einer guten Organisation und sehr viel Disziplin.

Wie sieht dein typisches Training in der Vorbereitung für den Ironman aus?

Melanie Lüdorf:
Hier ist ein aktuelles Beispiel:

Montag: EMS-Training [Elektronische Muskelstimulation]
Dienstag:
Laufen: Intervalle: 10 min einlaufen, 20 x 800m Wettkampftempo + 200m locker dazwischen, 10 min auslaufen
Athletiktraining 60 min
Dehnen/Blackroll (auch Faszienrolle genannt) (60 min)

Mittwoch:
Schwimmen, ca. 90 min
Radfahren, ca. 2 Std

Donnerstag:
Krafttraining für die Beine
Radfahren: 3 Std. mit z.B. 6 x 15 min Wettkampftempo
Dehnen /Blackroll (60min)

Freitag:
Schwimmen: ca. 90 min
Athletiktraining (60min)

Samstag:
Nüchternlauf 2 Std.
Radfahren 2-3 Std
Dehnen

Sonntag:
Radfahren 5-6 Std
Koppellauf – direkt im Anschluss- ca. 45 min
Dehnen/ Blackroll

Wie bereitest du dich psychisch auf den Ironman vor?

Melanie Lüdorf: Ich bin da ganz entspannt und mache einfach alles wie gehabt.

Du gehst als eine von nur wenigen Frauen aus Deutschland an den Start. Softwareentwicklerinnen können von Männerdomänen ein Lied singen… Wie ist es, in einer von Männern dominierten Sportart mit 80 % Männer und 20 % Frauen anzutreten, wo sich ja im Gegensatz zu rein geistiger Arbeit auch noch physische Unterschiede bemerkbar machen?

Melanie Lüdorf: Interessant ist: Als Frau werde ich im Vorfeld der Wettkämpfe oft gar nicht wahrgenommen. Wenn mein Lebensgefährte und ich gemeinsam zu einem Wettkampf reisen, bei dem nur einer von uns antritt, gehen viele sofort davon aus, dass er an den Start geht – auch wenn ich es bin. Wenn ich dann sage, dass ich als Frau genau dieselben Strecken bewältige wie jeder männliche Teilnehmer, sind viele ganz erstaunt. Dafür erfahre ich während des Wettbewerbs umso mehr Aufmerksamkeit und werde besonders stark angefeuert.

Die physischen Unterschiede machen sich vor allem beim Radfahren bemerkbar – Männer haben einfach mehr Kraft –, allerdings weniger beim Schwimmen oder Laufen. Hier holen die Frauen mächtig auf.

Heute schon gelaufen, geschwommen oder Rad gefahren?

Melanie Lüdorf: Ich gehe jetzt laufen (16 x 800 m Wettkampftempo) und heute Abend Athletiktraining.

Was ist deine liebste Laufstrecke?

Melanie Lüdorf: Samba- und Nordbahntrasse (Wuppertal). Hier findet man mich mehrfach wöchentlich. Ich kenne hier jeden Stock und jeden Stein!

Welche Ziele setzt du dir für Hawaii?

Melanie Lüdorf: Genießen und ganz viel Spaß haben!

Wie sieht dein weiterer Wettkampfkalender in diesem Jahr aus?

Melanie Lüdorf: Die Saison war jetzt sehr lang. Ich habe mich seit November 2015 vorbereitet. Danach brauche ich mal eine Pause von 4-6 Wochen ohne Training und Wettkampf. Die neue Saison beginnt dann im Frühling 2017.

Vielen Dank für deine Zeit!