OBJEKTspektrum 08/16

Von Ansagen und Optionen

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Steht eine Veränderung in einer Organisation an, prallen mitunter zwei Einschätzungen aufeinander: Die einen wollen keine Zeit verlieren, die anderen wollen sich Zeit nehmen; die einen sehen den Weg zur Veränderung bereits vor sich, die anderen stellen sich noch mehrere Wege vor. Sichtbare oder unsichtbare Konflikte in der Organisation können eine Folge sein, wenn solche Einschätzungen kompromisslos aufeinandertreffen. Dieser Artikel von Thomas Epping im OBJEKTspektrum versucht, sie zu verstehen und zwischen ihnen zu vermitteln.

Ordnung versus Flexibilität

Niemand hob eine Hand. „Gibt es noch Fragen?“, hatte die Chefin wissen wollen und dann in eine schweigende Menge geschaut. Zuvor hatte sie eine klare Ansage dazu gemacht, wie die Abteilung in den nächsten Monaten ausgerichtet werde: Strukturen, Prozesse, Ziele. Es war nicht die erste Ansage dieser Art in der Abteilung und die Abteilung hatte miterlebt, wie sich die Realität stets gegen jede Ansage durchgesetzt hatte. Damals hatten sich die Kolleginnen und Kollegen noch engagiert, doch inzwischen wussten sie sowohl um den Anteil von Illusionen in Ansagen als auch um die Nutzlosigkeit, ihn offen anzusprechen. Also äußerte niemand Zweifel, obwohl die Köpfe voller Fragen waren.

Was ist in dieser Situation passiert? Die Chefin hat sich für eine klare Ansage entschieden und wundert sich über die schweigende Menge: Die Abteilung braucht doch Klarheit, denkt sie sich; oder will etwa jemand diskutieren? Die Kolleginnen und Kollegen haben sich für stille Skepsis entschieden und wundern sich über die klare Ansage der Chefin: Sie muss für Erfahrungen aus der Vergangenheit doch offen sein, denken sie sich; oder will sie diese etwa ignorieren?

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