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Dein persönlicher Assistent - CLAUDE.md & Personalisierung

8.6.2026 | 8 Minuten Lesezeit

Dies ist ein FollowUp zu Warum Claude Code nicht nur für Code funktioniert - eine Serie speziell für Nicht-Entwickler:innen, die Claude Code nutzen wollen.

TL;DR

Im letzten Artikel hast du Claude Code eingerichtet und die ersten Fragen an deinen Ordner gestellt. Das Problem dabei: Bei jeder neuen Session musst du Claude von vorne erklären, wie deine Ablage funktioniert, woran du eigentlich Arbeitest, was wo hingehört. Die CLAUDE.md löst genau das. Sie ist eine kleine Markdown-Datei im Projektordner, die Claude bei jeder Session automatisch liest – dein Briefing-Dokument für die KI. In diesem Artikel zeigen wir, wofür man sie nutzt, warum sie pro Projekt angelegt wird und was sich konkret ändert, sobald sie da ist.


Claude hat Amnesie

Nein, ehrlich: Claude.ai und Co. können sich von Haus aus nichts merken. Jede Anfrage ist für das Modell komplett neu, und es weiß nichts von dem, was du vorher gefragt hast.

Jetzt wirst du vielleicht sagen: „Stimmt so nicht – ChatGPT weiß doch, dass ich nur vegetarische Rezepte will, und erinnert sich an Themen, über die wir vor Kurzem gesprochen haben." Richtig. Aber hier wird ein Gedächtnis nur simuliert: Im Hintergrund werden automatisiert Notizen angelegt, die bei jeder neuen Anfrage mitgeschickt werden. Neben deinem expliziten Prompt baut das LLM also einen Kontext auf, in den alles fließt, was sonst noch relevant sein könnte.

Der Trick ist, diesen Kontext aktiv zu steuern und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was bei einer Anfrage eigentlich alles mitgeht. Genau dafür ist die CLAUDE.md gemacht – für die Dinge, die jedes Mal relevant sind.

Anders ausgedrückt: Dein KI-Assistent kann nur dann etwas über dich und deinen Kontext lernen, wenn du es ihm explizit mitgibst. Entweder in jedem Prompt – oder einmalig in einem Dokument, das automatisch dabei ist.


Was ist eine CLAUDE.md?

Eine CLAUDE.md ist eine Markdown-Datei (Text mit etwas Formattierung) im Wurzelverzeichnis deines Projekts – also genau dem Ordner, in dem du Claude Code startest. Claude liest sie bei jedem Start automatisch und nimmt ihren Inhalt in den Kontext der Session auf – sie ist also jederzeit präsent, ohne dass du sie erwähnen musst.

Inhaltlich ist sie eine Art Briefing-Dokument: Wer schreibt hier? In welchem Projekt arbeitest du? Welche Konventionen gelten? Was darf Claude tun, was nicht? Du schreibst sie in normalen Sätzen, in natürlicher Sprache.

CLAUDE.md vs. Memory Auch Claude Code hat ein automatisiertes Memory-Feature, das – wie oben beschrieben – im Hintergrund Notizen anlegt und später wieder darauf zugreift. Nutzen lässt sich das, indem man Claude einfach direkt bittet, sich etwas zu merken. Die CLAUDE.md ist im Gegensatz dazu der bewusste, Nutzer-gesteuerte Teil des Gedächtnisses: Sie wird nicht erst dann gelesen, wenn Claude sie für relevant hält, sondern verlässlich bei jeder Anfrage.

Der aktuelle Ordner ist wichtig

Schon in Post 1 war entscheidend, in welchem Ordner du Claude startest – bei der CLAUDE.md wird das doppelt wichtig. Dieses Wurzelverzeichnis ist nämlich mehr als nur der Fundort der CLAUDE.md – an ihm hängt dein ganzes aktuelles Projekt. Nur dort sucht Claude nach der CLAUDE.md, und nur dort findet es direkt die Dateien, von denen du sprichst. Behalte es deshalb immer im Blick.

Wer im Terminal viel hin- und hernavigiert und dann claude startet, landet schnell in einem ganz anderen Kontext als gedacht – weil Claude eben nicht im eigentlichen Projektordner läuft. Ein kurzes !pwd direkt im Chat schafft Klarheit, wo du dich gerade befindest (das ! davor führt einen Terminal-Befehl direkt aus dem Chat aus).


Was gehört rein in die CLAUDE.md?

Kontext, Regeln, Grenzen, Beispiele

Bevor wir in die einzelnen Hebel gehen, eine Faustregel, die über allem steht: Kurz und konkret schlägt vollständig. Jede Zeile in der CLAUDE.md wird bei jeder Anfrage mitgeschickt und kostet Aufmerksamkeit – auch Claudes eigene. Wer alles reinschreibt, bekommt am Ende eine Datei, in der die wirklich wichtigen Regeln im Rauschen untergehen. Anthropic selbst empfiehlt als Test: Würde es einen Unterschied machen, wenn diese Zeile fehlt? Wenn nein – raus damit.

Mit der Haltung im Hinterkopf hat eine gute CLAUDE.md vier Aufgaben.

Kontext setzen – „Worum geht es hier?"

Der wichtigste Teil. Was für ein Projekt ist das? Wie ist es strukturiert? Welche Sprache wird verwendet?

„Dies ist meine Notizsammlung. Meeting-Notizen liegen in Meetings/, Workshop-Material in Workshops/. Neue, noch nicht sortierte Notizen kommen erst einmal in Inbox/."

Mit zwei, drei Sätzen weiß Claude, in was für einem Raum es sich bewegt – statt zu raten oder erst alles abzuklappern.

Regeln definieren – „Wie soll gearbeitet werden?"

Konventionen, die in deinem Kopf sind, aber nirgends stehen. Dateinamen, Frontmatter, Sprache, Format.

„Notizen werden auf Deutsch verfasst, Fachbegriffe dürfen Englisch bleiben. Neue Dateien folgen dem Schema YYYY-MM-DD Titel.md. Jede Notiz bekommt ein Frontmatter mit tags und created."

(Frontmatter ist das kleine Metadaten-Feld am Dateianfang – ein paar Zeilen für Schlagworte, Datum und Ähnliches, die Obsidian gesondert behandelt.)

Grenzen ziehen – „Bitte erst fragen."

Der unterschätzte Teil. Claude ist hilfsbereit – manchmal zu hilfsbereit. Explizite Grenzen verhindern unangenehme Überraschungen.

Ein Detail, das viel ausmacht: Sag, was Claude tun soll, statt was es nicht tun soll – und gib einen kurzen Grund mit. Reine Verbote ignorieren LLMs erstaunlich oft (ähnlich wie die Aufforderung, nicht an einen rosa Elefanten zu denken). Eine positive Anweisung mit Begründung wirkt besser und lässt sich auf ähnliche Situationen übertragen.

„Frag immer nach, bevor du Dateien löschst. Im Ordner Archiv/ lass die Struktur unverändert, dort wird nur noch gelesen."

Das schützt vor genau den Aktionen, bei denen es später ärgerlich wird – und erklärt Claude nebenbei, warum.

Beispiele zeigen – „So sieht's bei mir aus."

Der Hebel, der für Notiz- und Wissensarbeit am stärksten zieht und am häufigsten vergessen wird. Manche Dinge sind in Regeln schwer zu fassen – wie eine gute Meeting-Notiz strukturiert ist, welcher Ton zu deinen Texten passt, wie ausführlich ein Workshop-Outline sein soll. Statt es zu beschreiben, zeig es einfach.

„So sieht eine gute Meeting-Notiz bei mir aus: markdown* *# 2026-05-28 Kunde X – Quartalsplanung* *Teilnehmende: A, B, C* *## Kernergebnisse* *- ...* *## Offene Punkte* *- ...* * Kurz, ergebnisorientiert, ohne Wall of Text."

Ein bis drei knappe Beispiele wirken nachweislich stärker als der Versuch, das Gleiche in Regeln zu gießen – gerade bei Stil, Format und Tonfall.


Pro Projekt eine eigene CLAUDE.md

Die CLAUDE.md liegt im Projektordner und gilt nur dort.

Wer mehrere Kontexte parallel betreut – Kunde A, Kunde B, eigenes Wissen, Privatprojekt – legt für jeden Kontext einen eigenen Ordner mit eigener CLAUDE.md an. Im Arbeits-Projekt antwortet Claude anders als im privaten Geburtstagsfeier-Vorbereitungs-Ordner.

Übrigens: Neben der Projekt-CLAUDE.md gibt es auch eine persönliche Variante, die für alles gilt, was du mit Claude machst. Für den Anfang reicht aber die im Projekt – dort liegt der eigentliche Hebel.


Praxisbeispiel: Ein Notizordner mit Struktur

Konkret wird es an einem einfachen Beispiel. Stell dir einen Obsidian-Vault (oder einen ganz normalen Ordner) vor, in dem du deine beruflichen Notizen sammelst – ein paar Unterordner für Meetings, Workshops, eine Inbox für Unsortiertes. Die Struktur kann so sein, wie sie für dich passt - du solltest nur schauen, dass sie auch für dein LLM verständlich ist.

Vorher: Claude ohne CLAUDE.md

Ich öffne den Ordner ohne weitere Konfiguration und sage:

„Lege eine neue Meeting-Notiz zum Kundentermin morgen an."

Was passiert: Claude rät. Die Notiz landet im Hauptverzeichnis statt im Meetings/-Unterordner. Der Titel ist „Meeting Notes – Customer Meeting" auf Englisch. Eine Strukturvorlage gibt es nicht. Ich räume hinterher auf – und habe netto Zeit verloren.

Nachher: Mit CLAUDE.md

Im Hauptverzeichnis liegt jetzt eine CLAUDE.md. Gekürzt sieht sie so aus:

1# Mein Notizordner
2
3Hier sammle ich meine beruflichen Notizen. Sprache: Deutsch.
4
5## Ordnerstruktur
6- Inbox/ – Neue, noch nicht sortierte Notizen
7- Meetings/ – Meeting-Notizen, eine Datei pro Termin
8- Workshops/ – Vorbereitung und Nachbereitung von Workshops
9- Archiv/ – Abgeschlossenes, nicht mehr aktiv
10
11## Bei neuen Notizen
12- Meeting → Meetings/, Dateiname: `YYYY-MM-DD Kunde – Thema.md`
13- Workshop → Workshops/[Workshopname]/
14- Sonst, wenn unklar → Inbox/
15
16## Konventionen
17- Sprache: Deutsch, Fachbegriffe Englisch erlaubt
18- Jede Notiz beginnt mit einer Überschrift und einem kurzen Kontext-Absatz

Gleicher Prompt – komplett anderes Ergebnis. Die Notiz landet in Meetings/, der Dateiname folgt dem Schema, der Titel ist deutsch, und Claude legt von selbst eine kleine Struktur mit „Teilnehmende", „Ergebnisse", „Offene Punkte" an.


Iterativ wachsen lassen

Eine CLAUDE.md muss nicht von Anfang an perfekt sein. Im Gegenteil: Wer zu viel auf einmal hineinschreibt, baut etwas, das er später nicht mehr pflegt.

Bewährt hat sich dabei, immer, wenn man merkt, dass man Claude eine generelle Info für künftige Sessions mitgeben will, einfach direkt darum zu bitten, die CLAUDE.md zu aktualisieren. Eine gute CLAUDE.md ist nie „fertig". Sie ist ein lebendes Dokument.

(Vorsicht: Der Inhalt dieser Datei kommt bei jeder Anfrage mit, und macht diese damit auch ein wenig teurer. Dinge mit der Zeit einzukürzen und rauszuschmeissen ist auch wertvoll. Zu bewusstem Kontext-Management kommen wir in einem späteren Post)


Jetzt selbst ausprobieren

Leg in deinem Projektordner eine CLAUDE.md an und schreib in eigenen Worten hinein:

  1. Kontext: Was ist das hier für ein Ordner? Wie ist er strukturiert? In welcher Sprache wird gearbeitet?
  2. Regeln: Dateinamen, Format, Konventionen – das, was du sonst jedes Mal erklären müsstest.
  3. Eine Grenze: Etwas, das Claude erst nach Rückfrage tun soll.
  4. Ein Beispiel: „So sieht eine gute Notiz bei mir aus" – einmal vormachen statt beschreiben.

Stell Claude danach in einer neuen Session eine konkrete Aufgabe – „Lege eine neue Meeting-Notiz für morgen an." – und schau, wie selbstverständlich es jetzt deinem System folgt. Der Aha-Moment kommt fast immer.


Ausblick auf den nächsten Artikel

Du hast Claude jetzt deinen Kontext beigebracht. Im nächsten Artikel zeigen wir, wie du wiederkehrende Abläufe standardisierst – mit Slash Commands und Skills. Aus „erkläre ich jedes Mal neu" wird „einmal definiert, immer wieder genutzt".

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