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  • „Die Cloud wird zuerst dort genutzt, wo sie die meisten und offensichtlichsten Mehrwerte liefern kann.“
  • „Die Cloud wird zuerst dort genutzt, wo sie die meisten und offensichtlichsten Mehrwerte liefern kann.“

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25.11.2021

„Die Cloud wird zuerst dort genutzt, wo sie die meisten und offensichtlichsten Mehrwerte liefern kann.“

Interview mit Marc Bialowons und Kai Herings zu den Ergebnissen der Lünendonk®-Studie 2021 „Cloud-Native Software Development“

Von Juli bis September 2021 hat das B2B-Marktforschungsunternehmen Lünendonk in 150 mittelständischen und Großunternehmen Personen in leitenden Positionen zu Cloud-Transformation und Cloud-Native befragt.

Die Ergebnisse wurden jetzt in der Lünendonk®-Studie 2021 „Cloud-Native Software Development“ veröffentlicht. Für codecentric ergeben sich daraus viele Erkenntnisse, die wir einmal mit unseren Kollegen Marc Bialowons, Cloud Partner Manager, und Kai Herings, Leiter Cloud Transformation, besprochen haben.

In der Lünendonk-Studie sehen wir, dass die befragten Unternehmen in der Prozessautomatisierung einen der wesentlichen Hebel zur digitalen Transformation sehen. 74 Prozent gaben an, dass sie sich sehr stark oder eher stark mit diesem Thema beschäftigen. Gleichzeitig gaben nur 60 Prozent an, sich stark mit Cloud-Transformation zu beschäftigen – ein Widerspruch aus eurer Sicht?

Marc: Aus meiner Sicht ist das kein Widerspruch. Cloud-Technologie kann ein gutes Werkzeug sein, um nicht wertschöpfende Tätigkeiten (in der Softwareentwicklung) zu automatisieren, ist jedoch nicht der einzige Weg, das zu erreichen. Für bestimmte Szenarien bietet es sich an, zuerst an anderen Stellen, wie einer Anpassung der Organisation der Teams und Prozesse anzusetzen und erst danach mit Technologie zu untermauern.

Kai: Die Bereiche Prozessautomatisierung und Cloud Transformation sind prinzipiell erst einmal getrennt voneinander zu betrachten. Jedoch werden einige Bereiche, die für das Ziel „Prozessautomatisierung“ zuträglich sein könnten, ausgeblendet.

Es gibt viele Wege, Prozesse auch ohne Cloud-Technologien zu automatisieren, wenngleich auch einige Aspekte für den direkten oder indirekten Einsatz von Cloud-Technologien sprechen. Im Gegensatz zu den Ambitionen der Automatisierung sehen wir aber in der Studie, dass die Hebel für eine Automatisierung auf IT-Seite in der Cloud bisher noch nicht annähernd ausgereizt sind, so nutzen bisher nur 24 Prozent der befragten Unternehmen Infrastructure as Code (IaC) – was ein starker Automatisierungs-Enabler ist. Functions as a Service (FaaS) können auch ein Hebel sein, um schnell Prozessautomatisierungen in der Cloud zu implementieren.

Kai Herings

Kai Herings

Marc Bialowons

Marc Bialowons


Wir sehen in der Studie, dass Unternehmen bei Customer-facing-Anwendungen schon sehr stark auf Cloud-Technologien setzen, Richtung Datenverwaltung und Co. scheint es nach wie vor Vorbehalte zu geben – berechtigt?

Kai: Die Cloud wird zuerst dort genutzt, wo sie die meisten und offensichtlichsten Mehrwerte liefern kann. Darüber hinaus ist das Thema Datenschutz und Sicherheit in der letzten Zeit zurecht stark im Fokus der Gesellschaft und der Unternehmen. Das führt natürlich auch zu berechtigten Überlegungen in Bezug auf Datensicherheit in der Cloud. Für die Unternehmen ist es eine Risikoabwägung, welche Daten und Applikationen in der Cloud gehostet werden. Das Problem in Bezug auf Daten-Leaks und unberechtigte Zugriffe ist eigentlich viel grundlegender als die Entscheidung, ob ich eine Applikation und Daten in der Cloud oder On-Premises hoste: Hier geht es viel mehr um Softwarequalität, Konfiguration, Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen etc..

Marc: Dem kann ich nur zustimmen: Die aktuelle Situation mit unklarerer Rechtsprechung rund um DSGVO und Schrems lässt viele Kunden Nutzen und Risiko genau abwägen. Bei Customer-facing-Applikationen ist der Mehrwert verbesserter Cycle Time schneller realisierbar und entsprechend größer als bei klassischen monolithischen Kernsystemen. Das Ergebnis deckt sich also mit unseren Erfahrungen, und auch wir empfehlen ein bewusstes Abwägen, an welchen Stellen Cloud-Native den rechtlichen Abwägungen und aktuellen Unklarheiten mit konkretem Mehrwert begegnet.

Als Benefits der Nutzung von Cloud-Native-Technologien versprechen sich Unternehmen geringere Entwicklungs- und Betriebskosten. Wie passt das mit euren Erfahrungen zusammen?

Marc: Die Frage nach Kosteneinsparungen hängt immer von den Metriken ab, die man anlegt. Wenn man zusätzlich zu den reinen Betriebskosten noch die Aufwände für Re-Architecting und Migration einrechnet, sind kurzfristige Kosteneinsparungen im Vergleich zu einem gut ausgelasteten On-Prem-Betrieb selten. Auf mittel- und langfristiger Basis werden sich jedoch auch wieder die deutlich erhöhte Geschwindigkeit und Effizienz bemerkbar machen, sodass sich eine Umstellung in Richtung Cloud-Native auch aus einer Total-Cost-of-Ownership-Perspektive positiv entwickelt.

Kai: Ein wichtiger Teil der Versprechungen der Cloud ist die Kostensenkung. Leider funktioniert das häufig nur, wenn man die Cloud so nutzt wie sie gedacht ist – und nicht wie ein Rechenzentrum bei einem anderen Provider. Effektiv haben wir Fälle beobachtet, bei denen die Kosten erst einmal kräftig gestiegen sind – häufig nach einer naiven „lift and shift“-Migration. Mit einer smarten Migration ist es aber dann leider auch nicht getan. Kosten akkumulieren sich in der Cloud ähnlich wie eine technische Schuld, die man über das gesamte Projekt hinweg mit sich rumschleppt. Zum kosteneffizienten Betrieb in der Cloud gehören eine ganze Menge neuer Aspekte, die anders ablaufen als zuvor: Training, Cloud Governance, Showback-Chargeback Prozesse, Cloud-Native bzw. -kompatible Architekturen, andere Operations Prozesse, Nutzung von Infrastructure as Code etc.. Insbesondere wird mit der Cloud jeder Entwickler plötzlich zum Einkäufer.

Wie können Unternehmen die Kosten überschaubar halten? 

Kai: Zentral für unsere Arbeit rund um das Thema Cloud-Kosten ist der „FinOps“ -Ansatz, was für Cloud Financial Operations steht. Um die Kosten für unsere Kunden zu optimieren (und da sprechen wir häufig von 40 Prozent oder mehr) nutzen wir unser Cloud Cost Cleanup als Projektansatz, um initial aufzuräumen und die Organisation langfristig auf den richtigen Pfad zu bringen.

In der Studie bemängeln darüber hinaus 76 Prozent der Befragten einen unklaren Return on Invest, bzw. eine schwierige Einschätzung der tatsächlichen Kosten für die Cloud-Transformation. Dies ist sicherlich zum Teil der fehlenden Kostentransparenz und Verknüpfung mit Business-Outcomes zuzuschreiben. Auch arbeiten wir mit dem FinOps-Ansatz, um z. B. Unit-Cost im Unternehmen zu implementieren: Welche Cloud-Kosten habe ich eigentlich pro Check-out-Prozess? Wie entwickeln sich diese Kosten über die Zeit? …

58 Prozent der Unternehmen haben fehlende Erfahrungen mit Cloud-Technologien als Hürde genannt. Wie hoch schätzt ihr die Hürde tatsächlich ein und was ist aus eurer Sicht erforderlich für eine erfolgreiche Cloud-Transformation?

Kai: Eine Nutzung von Cloud-Diensten kann schrittweise erfolgen. Dabei sollte man insbesondere dort anfangen, wo sich die größten Mehrwerte für die Unternehmen heben lassen und Erfolge schnell sichtbar werden. Wie oben schon angesprochen, sind es häufig schnelle Entwicklungsprojekte, die von den Vorteilen der Cloud besonders profitieren, wie z. B. Customer-facing-Anwendungen. Im Rahmen dieser Projekte können Kunden Schritt für Schritt Erfahrungen im Bereich Cloud sammeln. 

Ein vollständiger Überblick über alle Cloud Services ist heute für einzelne Personen utopisch, daher arbeitet man idealerweise in gemischten Teams und ergänzt diese am Anfang durch erfahrene Mitarbeitende oder Dienstleister. So kann im laufenden Projekt das Wissen verteilt werden und alle Beteiligten bauen Berührungsängste schnell ab.

Danke für eure Einschätzung!

Hier geht es zur Lünendonk®-Studie 2021 „Cloud-Native Software Development“.

Lünendonk-Studie

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(CK)

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