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MuleSoft Agent Fabric - Teil 1 - Agenten brauchen Struktur

17.2.2026 | 5 Minuten Lesezeit

In den letzten Jahren hat sich in der AI-Welt unglaublich viel getan - was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für niemanden mehr ein Geheimnis ist. Am Anfang habe ich, wie vermutlich die meisten von uns, einfach nur herumexperimentiert: Also ChatGPT, Grok oder irgendeine andere Plattform mit mehr oder weniger sinnvollen Fragen bombardiert.

Und ich gebe zu, auch ich habe das Ganze zu Beginn eher als ein besseres Google eingestuft, welches einem mal schnell auf die Sprünge hilft, wenn man eine Frage hat oder etwas Inspiration benötigt.

Mittlerweile ist diese Phase vorbei. Die Modelle sind besser, schneller und günstiger geworden – und vor allem: Richtig eingesetzt sind sie extrem wertvoll für jedes Unternehmen. Diese erkennen zunehmend, wie sie mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz Geschäftsprozesse optimieren können. Bei jedem Kunden vergeht kaum ein Tag, an welchem AI nicht in irgendeiner Form zur Sprache kommt. Und egal ob es sich um den Vertrieb, Support, Finance, Logistik oder HR handelt - für fast jeden Bereich gibt es inzwischen spezialisierte, autonome Agents, die Aufgaben rasend schnell lösen, die in der Vergangenheit Tage, Wochen oder länger gedauert haben.

Klingt alles super und das ist es prinzipiell auch. Aber (Ein Euro ins Phrasenschwein): Wo Licht ist, ist auch Schatten - und in diesem versteckt sich der sogenannte Agent Sprawl.

Verschiedene Teams und Bereiche in der Firma fangen an, ihre eigenen Agents zu entwickeln. Plötzlich sind Dutzende, Hunderte oder mehr Agents parallel im Einsatz - unkontrolliert, mit eigenen Kommunikationswegen zu anderen Agents oder Services und mit eigenen, abweichenden Sicherheitsrichtlinien oder - im worst case - sogar ohne Absicherungen. Ein Albtraum für die IT-Security-Abteilung und je nach Ausprägung der Agenten sogar ein Unternehmensrisiko.

Genau an dieser Stelle kommt Agent Fabric aus dem MuleSoft-Ökosystem ins Spiel.

Wichtig vorab, damit keine falsche Erwartungshaltung geschürt wird: Agent Fabric ist kein Werkzeug, um neue Agents zu entwickeln. Es ist eher wie eine Flugverkehrskontrolle zu verstehen - eine zentrale Schicht, die für alle „Flugzeuge“ (also in unserem Fall Agents, MCP-Server und andere Tools) die Bereiche Discovery, Orchestration, Governance und Observability übernimmt. Dabei ist es egal, ob es sich um Agents von Salesforce, Amazon, Google, Microsoft Copilot handelt - oder eigene Kreationen angebunden werden sollen.

In diesem Blogartikel stelle ich Agent Fabric vor. In einem zukünftigen Artikel zeige ich dann, wie man ein einfaches Agent-Netzwerk mit einrichtet.

MuleSoft Agent Fabric

Agent Fabric ist ein weiterer Baustein der MuleSoft Landschaft, welcher die bereits genannten Themenfelder Discovery, Orchestration, Governance und Observability von AI Agenten ermöglicht. Im Prinzip also alle Themen, welche MuleSoft bereits bei API-Landschaften abdeckt. Wenn man viel in der IT Unterwegs ist, sind diese Begriffe sicherlich gut einzuordnen - dennoch eine kurze Erläuterung:

Discovery

Agenten, MCP-Server und ganze Agenten-Netzwerke in einer Firma sollten auffindbar sein. Discovery beschreibt genau das: Über eine zentrale Registry werden verfügbare Agenten, ihre Fähigkeiten und Schnittstellen dargestellt, so dass Beteiligte immer eine Übersicht über bereits existierende Strukturen haben und diese ggf. in ihre eigenen Prozesse einbinden können. Dies verhindert ebenfalls, dass mehrere gleichartige Implementierungen - und die damit verbundenen Kosten - entstehen, obwohl es bereits Lösungen gibt.

Orchestration

Beschreibt das Zusammenspiel mehrerer Assets. Erst durch das Verknüpfen dieser zu Workflows sowie durch die Anbindung an APIs und Backend-Systeme entsteht der eigentliche Mehrwert - nämlich genau die Daten zu verarbeiten und Informationen zu extrahieren, die für den jeweiligen Geschäftsprozess wirklich relevant sind.

Governance

Hier geht es um Sicherheitsrichtlinien, Zugriffskontrollen, Rollen, Compliance und klare Regeln dafür, was ein Agent darf, und was eben nicht.

Observability

Ermöglicht es nachzuvollziehen, wie Informationen von Agenten verarbeitet werden, welche Entscheidungen getroffen wurden und wie Daten durch ein Agenten-Netzwerk fließen. Speziell im Agenten-Kontext ein ungemein wichtiger Aspekt, um das - sich noch entwickelnde - Vertrauen in durch Agenten getriebene Prozesse zu stärken.

Agent Networks

Agent Network ist im Agent Fabric Kontext der Oberbegriff für alle Komponenten, die zu einer Domäne gehören. Dazu zählen Agenten, MCP-Server und Broker. Jede dieser Instanzen hat ihre eigene Rolle im System.

Der Broker fungiert als zentrale Koordinationsinstanz. Er koordiniert die Aufgaben zwischen Agenten und MCP-Servern - oder anderen Brokern.

Agenten sind die eigenständigen Einheiten, die konkrete Aufgaben erledigen: Daten abrufen, verarbeiten und interpretieren.

MCP‑Server bilden die Brücke zwischen den Agenten und den Unternehmenssystemen. Sie stellen den Agenten Tools, APIs und Datenzugänge bereit, die über das Model Context Protocol (MCP) verfügbar gemacht werden. So können Agenten zum Beispiel Informationen aus bestehenden Systemen abrufen oder Funktionen ausführen.

Architektur

Anbei ein Überblick über die Grundarchitektur innerhalb der Anypoint Plattform, um einen Überblick über das Zusammenspiel zu bekommen.

Anypoint Exchange

Anypoint Exchange ist der zentrale Katalog in MuleSoft, in dem wiederverwendbare Assets wie Connectors, API-Spezifikationen, Templates und neuerdings auch AI-Agents, LLMs sowie MCP-Server zu finden sind. Hier landen neue Agent-Networks, bevor sie genutzt werden können.

Runtime Manager (Hier: CloudHub 2.0)

Der Runtime Manager dient der Bereitstellung und Verwaltung von Mule-Anwendungen. Hier können Applikationen unter anderem gestartet, gestoppt, skaliert und deren Status sowie Logs begutachtet werden.

Anypoint Monitoring

Anypoint Monitoring ermöglicht Insights und Observability für die deployten Mule-Apps und APIs. Hier findet man Metriken, Dashboards, Alerts und es hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen.

Flex Gateway

Flex Gateway ist ein API-Gateway. Es schützt eingehenden (Ingress) und ausgehenden (Egress) Traffic von Mule- und Non-Mule-APIs. Policies (z. B. Auth, Rate Limiting, Threat Protection) werden über den API Manager konfiguriert. Diese können dann entsprechend auf den In- und Outbound-Traffic angewendet.

Fazit

Mit Agent Fabric liefert MuleSoft eine zentrale Plattform, um die rapide wachsende und oft unübersichtliche Welt der AI-Agenten in den Griff zu bekommen: entdecken, orchestrieren, steuern und beobachten - und das für jeden Agenten, egal wo und mit welchem Tool er gebaut wurde. Optimal ist es dabei natürlich für Unternehmen, die bereits im MuleSoft Kosmos unterwegs sind. Sie können ihre bestehende Integrationslandschaft in der gewohnten Plattform um AI-Agenten erweitern, sodass der Einstieg keine große Hürde darstellt.

Aber auch für Organisationen, die gerade auf der Suche nach einer Enterprise Integrationsplattform sind und den Schritt in die - strukturierte(!) - agentische Zukunft wagen wollen, kann das Gesamtpaket durchaus interessant sein.

Wie zu Beginn erwähnt, sollte dieser Blogartikel nur ein Appetizer sein. In einem geplanten zweiten Teil zeige ich anhand eines eigenen kleinen Agent Networks, welche Schritte notwendig sind, um ein MVP in Agent Fabric zu erschaffen.

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